EKG-Frequenz berechnen: 300er-Regel, 50 mm/s und unregelmäßiger Rhythmus

Kurz gesagt: Die Herzfrequenz ist 60 geteilt durch den RR-Abstand in Sekunden. Bei 25 mm/s darfst du 300 durch die Zahl der großen Kästchen teilen, bei 50 mm/s brauchst du 600. Ist der Rhythmus unregelmäßig, zählst du die QRS-Komplexe in zehn Sekunden und nimmst sie mal sechs. Der häufigste Fehler ist, die Papiergeschwindigkeit nicht vorher zu prüfen.

  • 25 mm/s: 1 mm = 40 ms
  • 50 mm/s: 1 mm = 20 ms
  • Erst Tempo, dann zählen
Lernheft EKG verstehen von Medizin Helden – Titelseite
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Die Frequenz ist der zweite Schritt jeder EKG-Befundung, direkt nach der Technik. Sie wirkt banal, trotzdem kippen hier in Klausuren und auf Station erstaunlich viele Befunde. Meist liegt es nicht an der Rechnung, sondern daran, dass jemand eine auswendig gelernte Kästchenregel auf ein Papier mit anderer Geschwindigkeit anwendet oder einen unregelmäßigen Rhythmus mit einem einzigen RR-Abstand misst. Diese Seite zeigt dir, welche Methode wann passt und wie du die typischen Fallen umgehst.

Was bedeuten die Kästchen auf dem EKG-Papier?

Die horizontale Achse ist Zeit, die vertikale Spannung. Ein kleines Kästchen ist 1 mm breit, ein großes umfasst fünf kleine. Wie viel Zeit ein Millimeter darstellt, hängt allein von der Schreibgeschwindigkeit ab. Bei höherer Geschwindigkeit wird die Kurve horizontal gedehnt, die biologische Dauer der Erregung bleibt aber gleich. Ein PQ-Intervall von 200 ms belegt bei 25 mm/s fünf kleine Kästchen und bei 50 mm/s zehn.

Größe Bei 25 mm/s Bei 50 mm/s
1 kleines Kästchen (1 mm) 40 ms 20 ms
1 großes Kästchen (5 mm) 200 ms 100 ms
Faustregel große Kästchen 300 / Anzahl 600 / Anzahl
Faustregel kleine Kästchen 1500 / Anzahl 3000 / Anzahl
Breiter QRS (120 ms) 3 kleine Kästchen 6 kleine Kästchen

Die vertikale Skalierung ist davon unabhängig. Bei Standardverstärkung entsprechen 10 mm einer Spannung von 1 mV. Für die Frequenz spielt das keine Rolle, für Hypertrophiekriterien und ST-Hebungen dagegen schon.

Wie rechnest du bei regelmäßigem Rhythmus?

Die sauberste Methode ist die Grundformel: Frequenz = 60 / RR in Sekunden. Liegen zwischen zwei R-Zacken bei 25 mm/s vier große Kästchen, sind das 4 × 200 ms = 0,8 s. 60 / 0,8 ergibt 75 Schläge pro Minute. Die 300er-Regel ist dieselbe Rechnung in Kurzform: 300 / 4 = 75.

  • Geschwindigkeit lesen: Steht auf dem Ausdruck 25 oder 50 mm/s? Ohne diese Angabe keine Rechnung.
  • Passende Konstante wählen: 300 bei 25 mm/s, 600 bei 50 mm/s.
  • R-Zacke auf einer dicken Linie suchen: Dann die großen Kästchen bis zur nächsten R-Zacke zählen.
  • Plausibilität prüfen: Passt das Ergebnis zum Puls und zur klinischen Situation?

Für schnelle Schätzungen hilft die Zahlenreihe 300, 150, 100, 75, 60, 50. Fällt die nächste R-Zacke auf die zweite dicke Linie, liegt die Frequenz bei etwa 150/min, auf die dritte bei etwa 100/min. Bei 50 mm/s verdoppeln sich alle Werte.

Was passiert, wenn du die Geschwindigkeit übersiehst?

Dann liegt dein Ergebnis um den Faktor zwei daneben. Ein Rhythmus mit fünf großen Kästchen zwischen den R-Zacken sieht bei 50 mm/s gemächlich aus. Wer die 300er-Regel anwendet, kommt auf 60/min. Tatsächlich dauert ein großes Kästchen hier nur 100 ms, fünf ergeben 0,5 s, und die Frequenz beträgt 120/min. Aus einem scheinbaren Normalbefund wird eine Tachykardie, die eine Erklärung braucht.

Wie bestimmst du die Frequenz bei unregelmäßigem Rhythmus?

Bei stark wechselnden RR-Abständen liefert ein einzelner Abstand nur eine Momentaufnahme. Für die mittlere Kammerfrequenz zählst du die QRS-Komplexe in einem bekannten Zeitfenster. Beim üblichen Zehn-Sekunden-Streifen multiplizierst du mit sechs, bei sechs Sekunden mit zehn. 18 QRS-Komplexe in zehn Sekunden ergeben also etwa 108/min.

Zwei Punkte werden dabei oft übersehen. Erstens musst du prüfen, ob der Rhythmusstreifen wirklich zehn Sekunden lang ist. Zweitens sind die nebeneinander gedruckten Segmente eines Zwölf-Kanal-Ausdrucks nicht immer gleichzeitig aufgenommen. Die mittlere Frequenz beschreibt außerdem nicht die gesamte Schwankungsbreite, bei Vorhofflimmern können einzelne Abschnitte deutlich schneller sein.

Vorhof und Kammer getrennt zählen

Bei AV-Block oder Vorhofflattern unterscheiden sich Vorhof- und Kammerfrequenz. Zähle P-Wellen und QRS-Komplexe dann getrennt. Eine Vorhoffrequenz von 80/min und eine Kammerfrequenz von 40/min ergeben zum Beispiel eine 2:1-Überleitung, die du ohne getrenntes Zählen leicht übersiehst.

Welche Frequenz ist normal, welche nicht?

Beim Erwachsenen in Ruhe gilt eine Frequenz unter 60/min meist als Bradykardie, über 100/min als Tachykardie. Diese Grenzen beschreiben aber nur die Zahl. Die entscheidende Frage lautet, ob die Frequenz zur Situation passt. Eine Ruhefrequenz von 48/min bei trainierten Menschen oder im Schlaf kann physiologisch sein. Eine Sinustachykardie ist oft ein Signal für eine Ursache wie Fieber, Schmerz oder Volumenmangel und keine eigenständige Rhythmuserkrankung. Symptomatische Bradykardie, Synkope oder Kreislaufinstabilität erfordern dagegen immer eine rasche klinische Beurteilung.

Messen statt schätzen

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Wie übst du das Rechnen, bis es sitzt?

  1. Tag 1

    Grundlage

    Kästchenwerte bei 25 und 50 mm/s selbst herleiten, statt sie nur zu merken.

  2. Tag 2

    Regelmäßig

    Zehn Streifen mit Grundformel und Faustregel rechnen und beide Ergebnisse vergleichen.

  3. Tag 3

    Unregelmäßig

    Zehn-Sekunden-Methode an Vorhofflimmern und Extrasystolen üben.

  4. Danach

    Fälle

    Vollständige Befunde schreiben, bei denen die Frequenz nur ein Schritt von vielen ist.

Häufig gestellte Fragen

1. Wie berechnet man die Herzfrequenz im EKG am schnellsten?

Bei regelmäßigem Rhythmus und 25 mm/s teilst du 300 durch die Zahl der großen Kästchen zwischen zwei R-Zacken. Bei 50 mm/s nimmst du 600.

2. Wie lang ist ein kleines Kästchen im EKG?

Bei 25 mm/s entspricht ein kleines Kästchen 40 ms, bei 50 mm/s 20 ms. Ein großes Kästchen umfasst fünf kleine, also 200 ms beziehungsweise 100 ms.

3. Wie bestimmt man die Frequenz bei Vorhofflimmern?

Du zählst die QRS-Komplexe in zehn Sekunden und multiplizierst mit sechs. Das ergibt die mittlere Kammerfrequenz, nicht die Schwankungsbreite.

4. Warum stimmt die 300er-Regel manchmal nicht?

Sie gilt nur bei 25 mm/s und regelmäßigem Rhythmus. Bei 50 mm/s halbiert sie das Ergebnis, bei unregelmäßigem Rhythmus liefert sie nur eine Momentfrequenz.

5. Ist eine Frequenz unter 60/min immer krankhaft?

Nein. Bei Training oder im Schlaf kann sie physiologisch sein. Entscheidend sind Symptome und ein angemessener Frequenzanstieg unter Belastung.

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