Kreislaufumstellung nach der Geburt: wenn sich Foramen ovale und Ductus nicht schließen
Kurz gesagt: Mit dem ersten Atemzug fällt der Lungenwiderstand, der Lungenfluss steigt und der Druck im linken Vorhof nimmt zu. Dadurch wird das Foramen ovale funktionell verschlossen. Der Ductus arteriosus verengt sich durch den steigenden Sauerstoffpartialdruck und den Abfall von Prostaglandinen. Der anatomische Verschluss folgt später. Bleibt ein Shunt offen, entstehen das persistierende Foramen ovale oder der persistierende Ductus arteriosus.
Modul 14 im Lernheft
Physikum und Pädiatrie
Funktionell vor anatomisch
Lernheft Embryologie & EntwicklungFetaler Kreislauf mit Fallfrage zur ersten Atmung. Zum passenden Material
Den fetalen Kreislauf mit seinen drei Kurzschlüssen lernt fast jeder fürs Physikum. Weniger Aufmerksamkeit bekommt die Frage, was nach der Geburt mit diesen Verbindungen geschieht und was passiert, wenn sie offen bleiben. Genau das kommt aber in Fallfragen vor: das Frühgeborene mit Maschinengeräusch, der junge Patient mit Schlaganfall nach einer Beinvenenthrombose. Diese Seite schließt die Lücke zwischen Embryologie und Klinik.
Welche Shunts hat der Fetus und warum?
Vor der Geburt übernimmt die Plazenta den Gasaustausch, die Lunge ist mit Flüssigkeit gefüllt und hat einen hohen Widerstand. Sauerstoffreiches Blut kommt über die Nabelvene und fließt zum Teil über den Ductus venosus an der Leber vorbei in die untere Hohlvene. Im rechten Vorhof wird dieser Strom bevorzugt durch das Foramen ovale in den linken Vorhof gelenkt und erreicht so Herz und Gehirn. Blut aus der oberen Hohlvene gelangt dagegen über den rechten Ventrikel in den Truncus pulmonalis und von dort größtenteils über den Ductus arteriosus in die absteigende Aorta. Über die Nabelarterien kehrt das Blut zur Plazenta zurück.
Fetale Struktur
Verbindet
Verschluss
Rest beim Erwachsenen
Ductus venosus
Nabelvene und untere Hohlvene
In den ersten Lebenswochen
Ligamentum venosum
Foramen ovale
Rechten und linken Vorhof
Funktionell mit den ersten Atemzügen, anatomisch später
Fossa ovalis
Ductus arteriosus
Truncus pulmonalis und Aorta
Funktionell meist in den ersten Lebenstagen
Ligamentum arteriosum
Nabelvene
Plazenta und Leber
Nach Abnabelung
Ligamentum teres hepatis
Nabelarterien
Innere Beckenarterien und Plazenta
Distale Abschnitte nach Abnabelung
Ligamenta umbilicalia medialia
Was ändert die erste Atmung?
Mit der Entfaltung der Lunge sinkt der pulmonale Gefäßwiderstand stark, und der Lungenfluss steigt. Mehr Blut kehrt über die Lungenvenen in den linken Vorhof zurück, dessen Druck steigt. Gleichzeitig fällt mit dem Abnabeln die Plazenta als Niederdruckgebiet weg, der Widerstand im Systemkreislauf nimmt zu. Der Druck im linken Vorhof übersteigt jetzt den im rechten, und das Septum primum wird gegen das Septum secundum gedrückt. Das Foramen ovale ist damit funktionell verschlossen. Am Ductus arteriosus bewirken der steigende Sauerstoffpartialdruck und der Abfall der Prostaglandine eine Kontraktion der Gefäßwand.
Lungenwiderstand: fällt mit der Belüftung.
Systemwiderstand: steigt mit dem Wegfall der Plazenta.
Ductus arteriosus: kontrahiert durch Sauerstoff und weniger Prostaglandine.
Was passiert, wenn der Ductus arteriosus offen bleibt?
Bleibt der Ductus arteriosus offen, fließt nach der Geburt Blut von der Aorta in die Lungenarterie, weil der Druck im Systemkreislauf jetzt höher ist. Typisch ist ein kontinuierliches Geräusch über Systole und Diastole, das als Maschinengeräusch beschrieben wird. Besonders häufig betroffen sind Frühgeborene, bei denen die Gefäßwand noch weniger auf Sauerstoff reagiert. Medikamentös kann ein Verschluss mit Hemmstoffen der Prostaglandinsynthese versucht werden, während Prostaglandin E1 umgekehrt eingesetzt wird, um den Ductus bei ductusabhängigen Herzfehlern offen zu halten. Dosierung und Indikation entscheidet die Neonatologie.
Funktionell ist nicht anatomisch
Ein funktionell verschlossenes Foramen ovale ist zunächst nur durch Druck geschlossen. Erst die spätere Verwachsung macht den Verschluss dauerhaft. Fragen, die nach dem Zeitpunkt des Verschlusses fragen, meinen fast immer eine dieser beiden Ebenen.
Lernheft
Embryologie & Entwicklung
Herzentwicklung, fetaler Kreislauf und Plazenta als zusammenhängende Module mit Fallfragen zur Kreislaufumstellung.
Plazenta, Foramen ovale, Ductus arteriosus und Geburt
1. Warum schließt sich das Foramen ovale nach der Geburt?
Weil der Druck im linken Vorhof durch den steigenden Lungenrückfluss höher wird als im rechten. Das Septum primum legt sich dann gegen das Septum secundum.
2. Was wird aus dem Ductus arteriosus?
Das Ligamentum arteriosum zwischen Truncus pulmonalis und Aortenbogen. In seiner Nähe verläuft links der Nervus laryngeus recurrens.
3. Wie häufig ist ein persistierendes Foramen ovale?
Es kommt bei einem erheblichen Teil der Erwachsenen vor, häufig genannt wird etwa jeder Vierte. Meist bleibt es ohne Folgen.
4. Was ist ein Maschinengeräusch?
Ein kontinuierliches Herzgeräusch über Systole und Diastole, typisch für einen persistierenden Ductus arteriosus.
5. Woraus entsteht das Ligamentum teres hepatis?
Aus der verschlossenen Nabelvene. Der Ductus venosus wird zum Ligamentum venosum.
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