Radialisparese: Läsionshöhe an Trizeps und Sensibilität ablesen
Kurz gesagt: Der N. radialis versorgt fast alle Strecker an Arm und Hand. Welche davon ausfallen, hängt von der Läsionshöhe ab. Ist der Trizeps schwach, liegt die Läsion hoch in der Achsel. Ist er kräftig und besteht trotzdem eine Fallhand, liegt sie meist am Humerusschaft. Fehlen nur die Fingerstrecker ohne Gefühlsstörung, ist der tiefe Ast am Unterarm betroffen.
„Fallhand gleich Radialis“ ist richtig, aber für die Prüfung zu kurz. In Fallfragen wird fast immer nach der Läsionshöhe gefragt, und die erkennst du daran, welche Äste noch funktionieren. Der Nerv gibt seine Äste in einer festen Reihenfolge ab: erst zum Trizeps, dann zu den Unterarmstreckern, dann teilt er sich in einen motorischen und einen sensiblen Ast. Wer diese Reihenfolge kennt, liest die Höhe direkt aus dem Befund.
Wie verläuft der N. radialis?
Der Nerv entsteht aus dem Fasciculus posterior mit Fasern aus C5 bis T1. In der Achsel gibt er die ersten Äste zum M. triceps brachii ab. Dann windet er sich im Sulcus nervi radialis spiralig um den Humerusschaft nach lateral. Oberhalb des Ellenbogens versorgt er den M. brachioradialis und die radialen Handgelenkstrecker. In Höhe des Ellenbogens teilt er sich in den rein motorischen R. profundus, der durch den M. supinator zieht und die Fingerstrecker versorgt, und den rein sensiblen R. superficialis zum Handrücken.
Oberarm: Äste zum Trizeps, sehr proximal
Unterarm: Brachioradialis, Handgelenk- und Fingerstrecker
Handgelenk: Extension der Hand
Sensibilität: dorsale Anteile von Arm und Hand, autonom zwischen Daumen und Zeigefinger
Schaftfraktur, Druck im Schlaf mit Arm über einer Lehne
Trizeps meist erhalten, Fallhand, Brachioradialis schwach
Handrücken radial, autonom zwischen Daumen und Zeigefinger
Supinatorloge (R. profundus)
Engpass, Raumforderung, Radiuskopffraktur
Fingerstrecker schwach, Handgelenk mit Abweichung nach radial noch streckbar
Normal
Handgelenk (R. superficialis)
Enges Uhrarmband, Fesselung, Gips
Normal
Missempfindungen am radialen Handrücken
Die Abweichung nach radial bei einer Läsion des tiefen Astes entsteht, weil der M. extensor carpi radialis longus vor der Teilung versorgt wird und weiter arbeitet, während der ulnare Handgelenkstrecker ausfällt.
Wie prüfst du den N. radialis richtig?
Prüfe von proximal nach distal: Ellenbogenstreckung gegen Widerstand für den Trizeps, Ellenbogenbeugung in Mittelstellung für den Brachioradialis, Streckung des Handgelenks und der Fingergrundgelenke. Achte darauf, dass die Finger in den Mittel- und Endgelenken auch ohne Radialis gestreckt werden können, weil die kleinen Handmuskeln mitarbeiten. Bei einer Fallhand wirkt außerdem der Faustschluss schwach, weil die Beuger ohne gestrecktes Handgelenk ungünstig ziehen. Halte das Handgelenk deshalb passiv in Streckung, bevor du die Griffkraft bewertest. Zum Schluss prüfst du die Sensibilität im autonomen Areal.
Nicht jede Fallhand ist peripher
Eine plötzliche Schwäche der Handstrecker ohne Druckanamnese und ohne Sensibilitätsstörung kann auch zentral entstehen, etwa durch einen kleinen Schlaganfall. Wenn der Befund nicht zum Nervengebiet passt, wird er ärztlich abgeklärt.
Lernheft 08
Plexus & periphere Nerven
Die Läsionshöhe als roter Faden: für den N. radialis ebenso wie für Medianus, Ulnaris und die Beinnerven.
N. radialis mit Oberarm, Unterarm, Handgelenk und Sensibilität
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