Radialisparese: Läsionshöhe an Trizeps und Sensibilität ablesen

Kurz gesagt: Der N. radialis versorgt fast alle Strecker an Arm und Hand. Welche davon ausfallen, hängt von der Läsionshöhe ab. Ist der Trizeps schwach, liegt die Läsion hoch in der Achsel. Ist er kräftig und besteht trotzdem eine Fallhand, liegt sie meist am Humerusschaft. Fehlen nur die Fingerstrecker ohne Gefühlsstörung, ist der tiefe Ast am Unterarm betroffen.

  • Testat, Physikum und M2
  • 4 Läsionshöhen
  • Trizeps als Marker
Lernheft Plexus und periphere Nerven von Medizin Helden
Plexus & periphere NervenMit eigenem Modul zum N. radialis. Zum passenden Material

„Fallhand gleich Radialis“ ist richtig, aber für die Prüfung zu kurz. In Fallfragen wird fast immer nach der Läsionshöhe gefragt, und die erkennst du daran, welche Äste noch funktionieren. Der Nerv gibt seine Äste in einer festen Reihenfolge ab: erst zum Trizeps, dann zu den Unterarmstreckern, dann teilt er sich in einen motorischen und einen sensiblen Ast. Wer diese Reihenfolge kennt, liest die Höhe direkt aus dem Befund.

Wie verläuft der N. radialis?

Der Nerv entsteht aus dem Fasciculus posterior mit Fasern aus C5 bis T1. In der Achsel gibt er die ersten Äste zum M. triceps brachii ab. Dann windet er sich im Sulcus nervi radialis spiralig um den Humerusschaft nach lateral. Oberhalb des Ellenbogens versorgt er den M. brachioradialis und die radialen Handgelenkstrecker. In Höhe des Ellenbogens teilt er sich in den rein motorischen R. profundus, der durch den M. supinator zieht und die Fingerstrecker versorgt, und den rein sensiblen R. superficialis zum Handrücken.

  • Oberarm: Äste zum Trizeps, sehr proximal
  • Unterarm: Brachioradialis, Handgelenk- und Fingerstrecker
  • Handgelenk: Extension der Hand
  • Sensibilität: dorsale Anteile von Arm und Hand, autonom zwischen Daumen und Zeigefinger

Welche Läsionshöhe erzeugt welches Muster?

Läsionshöhe Typische Ursache Motorik Sensibilität
Achsel Druck durch Unterarmgehstützen Trizeps schwach, Fallhand, Brachioradialis schwach Dorsaler Ober- und Unterarm, Handrücken
Humerusschaft im Sulcus Schaftfraktur, Druck im Schlaf mit Arm über einer Lehne Trizeps meist erhalten, Fallhand, Brachioradialis schwach Handrücken radial, autonom zwischen Daumen und Zeigefinger
Supinatorloge (R. profundus) Engpass, Raumforderung, Radiuskopffraktur Fingerstrecker schwach, Handgelenk mit Abweichung nach radial noch streckbar Normal
Handgelenk (R. superficialis) Enges Uhrarmband, Fesselung, Gips Normal Missempfindungen am radialen Handrücken

Die Abweichung nach radial bei einer Läsion des tiefen Astes entsteht, weil der M. extensor carpi radialis longus vor der Teilung versorgt wird und weiter arbeitet, während der ulnare Handgelenkstrecker ausfällt.

Wie prüfst du den N. radialis richtig?

Prüfe von proximal nach distal: Ellenbogenstreckung gegen Widerstand für den Trizeps, Ellenbogenbeugung in Mittelstellung für den Brachioradialis, Streckung des Handgelenks und der Fingergrundgelenke. Achte darauf, dass die Finger in den Mittel- und Endgelenken auch ohne Radialis gestreckt werden können, weil die kleinen Handmuskeln mitarbeiten. Bei einer Fallhand wirkt außerdem der Faustschluss schwach, weil die Beuger ohne gestrecktes Handgelenk ungünstig ziehen. Halte das Handgelenk deshalb passiv in Streckung, bevor du die Griffkraft bewertest. Zum Schluss prüfst du die Sensibilität im autonomen Areal.

Nicht jede Fallhand ist peripher

Eine plötzliche Schwäche der Handstrecker ohne Druckanamnese und ohne Sensibilitätsstörung kann auch zentral entstehen, etwa durch einen kleinen Schlaganfall. Wenn der Befund nicht zum Nervengebiet passt, wird er ärztlich abgeklärt.

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Plexus & periphere Nerven

Die Läsionshöhe als roter Faden: für den N. radialis ebenso wie für Medianus, Ulnaris und die Beinnerven.

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Häufig gestellte Fragen

1. Ist bei jeder Radialisläsion der Trizeps gelähmt?

Nein. Distale Läsionen liegen unterhalb seiner abgehenden Äste. Nur bei hoher Läsion in der Achsel ist der Trizeps mitbetroffen.

2. Wo prüfst du die Sensibilität des N. radialis?

Am Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger. Dieses Areal wird am verlässlichsten nur vom N. radialis versorgt.

3. Warum macht eine Läsion des tiefen Astes keine komplette Fallhand?

Weil der lange radiale Handgelenkstrecker vor der Teilung versorgt wird. Die Hand lässt sich noch strecken, weicht dabei aber nach radial ab.

4. Was ist die häufigste Ursache einer Radialisparese?

Druck oder Fraktur am Humerusschaft im Bereich des Sulcus nervi radialis, etwa bei Schaftfrakturen oder Schlaf mit dem Arm über einer Lehne.

5. Warum ist der Faustschluss bei Fallhand schwach?

Ohne Streckung im Handgelenk ziehen die Fingerbeuger ungünstig. Hält man das Handgelenk passiv gestreckt, ist die Griffkraft deutlich besser.

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