Kurz gesagt: Die Fallhand gehört zum N. radialis, die Schwurhand beim Faustschluss zur proximalen Läsion des N. medianus, die Krallenhand zum N. ulnaris. Welche Muskeln ausfallen, hängt aber von der Läsionshöhe ab. Ein Radialisschaden am Oberarm lässt den Trizeps meist frei, ein Medianusschaden im Karpaltunnel die Unterarmbeuger. Deshalb beschreibt die Handstellung allein weder Ursache noch Höhe.
Die drei klassischen Handbilder gehören zu den sichersten Punkten in Anatomie-Testat und Physikum, und sie tauchen im M2 als Komplikation von Frakturen, Luxationen oder Lagerungsschäden wieder auf. Die Schwierigkeit liegt nicht im Namen, sondern in der Logik dahinter: Welche Muskeln fehlen, wo zweigen ihre Äste ab und welches Hautareal hat nur dieser eine Nerv? Wer das versteht, kann auch untypische Vignetten lösen.
Welches Handbild gehört zu welchem Nerv?
| Bild | Nerv | Was ausfällt | Typische Läsionsstelle | Autonomes sensibles Gebiet |
|---|---|---|---|---|
| Fallhand | N. radialis | Strecker von Handgelenk und Fingergrundgelenken | Humerusschaft im Sulcus nervi radialis | Dorsal zwischen Daumen und Zeigefinger |
| Schwurhand beim Faustschluss | N. medianus, proximal | Lange Beuger von Daumen, Zeige- und Mittelfinger | Oberhalb oder in Höhe des Ellenbogens | Endglieder von Zeige- und Mittelfinger |
| Affenhand (Thenaratrophie) | N. medianus, distal | Opposition und Abduktion des Daumens | Karpaltunnel | Wie oben, palmare radiale Finger |
| Krallenhand | N. ulnaris | Mm. interossei und ulnare Lumbricales | Sulcus nervi ulnaris am Ellenbogen oder Loge de Guyon | Kleinfinger |
Warum entsteht eine Fallhand, und wann ist der Trizeps betroffen?
Der N. radialis versorgt nahezu alle Strecker an Ober- und Unterarm. Fällt er aus, kann die Hand im Handgelenk nicht gehoben werden, und die Finger hängen in den Grundgelenken. Die Mittel- und Endgelenke lassen sich dagegen noch strecken, weil dafür die Interossei und Lumbricales mitarbeiten, die vom N. ulnaris und N. medianus versorgt werden. Diese Beobachtung hilft, eine echte Radialisparese von einer allgemeinen Schwäche zu unterscheiden.
Die Höhe der Läsion bestimmt das Muster. Die Äste zum M. triceps brachii gehen in der Achsel und am proximalen Oberarm ab. Eine Druckläsion in der Achsel, etwa durch Unterarmgehstützen, schwächt deshalb auch den Trizeps. Bei der häufigsten Ursache, einer Humerusschaftfraktur, liegt die Läsion im Sulcus nervi radialis unterhalb dieser Äste: Der Trizeps bleibt kräftig, die Fallhand ist vollständig. Wird nur der tiefe Ast am Unterarm geschädigt, fehlen die Fingerstrecker, aber die Hand kann im Handgelenk mit radialer Abweichung noch gehoben werden, und die Sensibilität ist normal, weil der oberflächliche Ast frei bleibt.
Schwurhand oder Affenhand: was unterscheidet die Medianusbilder?
Der N. medianus versorgt die meisten Beuger am Unterarm und über seinen Endast die Thenarmuskeln für Opposition und Abduktion des Daumens. Bei einer Läsion oberhalb des Ellenbogens, etwa nach suprakondylärer Humerusfraktur, fallen die langen Beuger von Daumen, Zeige- und Mittelfinger aus. Beim Versuch, eine Faust zu machen, bleiben Zeige- und Mittelfinger gestreckt, während Ring- und Kleinfinger beugen. Das ergibt die Schwurhand. Ring- und Kleinfinger bleiben beweglich, weil ihr tiefer Beuger vom N. ulnaris versorgt wird.
Beim Karpaltunnelsyndrom liegt die Engstelle distal. Die Unterarmbeuger sind intakt, weil ihre Äste vor der Engstelle abgehen. Im Vordergrund stehen nächtliche Parcisästhesien der radialen Finger und später eine Atrophie des Daumenballens. Die Daumenopposition wird schwächer. Nicht alle Thenarmuskeln gehören aber ausschließlich zum Medianus: Der M. adductor pollicis und der tiefe Kopf des M. flexor pollicis brevis werden vom N. ulnaris versorgt. Ein einzelnes positives Provokationszeichen genügt nicht für die Diagnose.
Probefrage im Prüfungsstil
Ein 8-jähriger Junge wird nach einem Sturz vom Klettergerüst mit einer suprakondylären Humerusfraktur rechts versorgt. Danach fällt auf: Beim Faustschluss bleiben Zeige- und Mittelfinger gestreckt, der Daumen kann im Endgelenk nicht gebeugt werden. Ring- und Kleinfinger beugen normal. An den Endgliedern von Zeige- und Mittelfinger ist die Sensibilität vermindert. Welcher Nerv ist am ehesten wo geschädigt?
- AN. ulnaris im Sulcus nervi ulnaris
- BN. medianus in Höhe des Ellenbogens
- CN. medianus im Karpaltunnel
- DN. radialis im Sulcus nervi radialis
- ESpinalwurzel C8
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Warum ist die Krallenhand bei distaler Ulnarisläsion stärker?
Der N. ulnaris versorgt die meisten kleinen Handmuskeln, vor allem die Mm. interossei und die ulnaren Mm. lumbricales. Diese Muskeln beugen die Grundgelenke und strecken Mittel- und Endgelenke. Fallen sie aus, überwiegen die langen Strecker an den Grundgelenken und die langen Beuger an den Fingergelenken. Ring- und Kleinfinger stehen in Krallenstellung. Fingerspreizen und Fingerschließen gegen Widerstand sind schwach, und im Papiergriff zeigt sich das Froment-Zeichen.
Ein Prüfungsklassiker ist das sogenannte Ulnaris-Paradox. Bei einer Läsion am Ellenbogen fällt zusätzlich der ulnare Anteil des tiefen Fingerbeugers aus. Die Endgelenke von Ring- und Kleinfinger werden dann weniger stark gebeugt, und die Kralle ist schwächer ausgeprägt als bei einer Läsion am Handgelenk, wo der tiefe Beuger intakt bleibt. Die Krallenstellung allein beschreibt also weder Ursache noch Höhe.
Alle drei Armnerven, die Fasciculi, aus denen sie stammen, und das Froment-Zeichen als eigenes Modul findest du im Lernheft Plexus & periphere Nerven, jeweils mit Fallfrage zur Läsionshöhe.
Wie prüfst du die drei Nerven in wenigen Minuten?
Für den N. radialis lässt du Handgelenk und Finger gegen Widerstand strecken und prüfst die Sensibilität dorsal zwischen Daumen und Zeigefinger. Für den N. medianus testest du die Daumenopposition und die Beugung im Endgelenk von Daumen und Zeigefinger, etwa mit dem Zeichen „O“ aus Daumen und Zeigefinger, und die Sensibilität am Zeigefingerendglied. Für den N. ulnaris prüfst du Fingerspreizen gegen Widerstand, den Papiergriff und die Sensibilität am Kleinfinger. Wichtig ist immer der Seitenvergleich, und Schmerz kann die Kraftprüfung begrenzen.
Häufige Fragen
Ist bei jeder Radialisläsion der Trizeps gelähmt?
Nein. Die Trizepsäste gehen proximal ab. Bei der häufigen Läsion im Sulcus nervi radialis am Humerusschaft bleibt der Trizeps meist kräftig.
Was ist der Unterschied zwischen Schwurhand und Affenhand?
Die Schwurhand zeigt sich beim Faustschluss bei proximaler Medianusläsion: Zeige- und Mittelfinger bleiben gestreckt. Die Affenhand beschreibt die Daumenballenatrophie mit Verlust der Opposition, typisch für eine distale Läsion wie beim Karpaltunnelsyndrom.
Warum ist die Krallenhand bei einer Läsion am Handgelenk deutlicher?
Weil der ulnare Anteil des tiefen Fingerbeugers bei einer distalen Läsion intakt bleibt und die Endgelenke kräftig beugt. Bei einer Läsion am Ellenbogen fällt er mit aus, und die Kralle ist schwächer.
Welche Hautareale sind für die drei Nerven am verlässlichsten?
Dorsal zwischen Daumen und Zeigefinger für den N. radialis, die Endglieder von Zeige- und Mittelfinger für den N. medianus und der Kleinfinger für den N. ulnaris.
Ist jede Handschwäche eine Ulnarisläsion?
Nein. Eine Wurzelläsion C8 oder eine untere Plexusläsion schwächt ebenfalls die Handmuskeln, betrifft dann aber auch Muskeln des N. medianus.
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Dieser Artikel dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapieentscheidung. Verbindlich sind aktuelle Lehrbücher und Leitlinien; Stand: November 2026.

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