Froment-Zeichen: Ulnaris-Test mit dem Papiergriff

Kurz gesagt: Beim Froment-Zeichen hält die Person ein Blatt Papier zwischen Daumen und Zeigefinger fest, während du daran ziehst. Ist der vom N. ulnaris versorgte M. adductor pollicis schwach, beugt sie ersatzweise das Daumenendgelenk. Diese Ersatzbewegung läuft über den M. flexor pollicis longus, der vom N. medianus versorgt wird. Das Zeichen spricht für eine Ulnarisschwäche, wird aber immer im ganzen Nervenbefund bewertet.

  • Untersuchungskurs und OSCE
  • 1 Blatt Papier
  • Adduktion gegen Flexion
Lernheft Plexus und periphere Nerven von Medizin Helden
Plexus & periphere NervenMit eigenem Modul zum Froment-Zeichen. Zum passenden Material

Das Froment-Zeichen ist einer der wenigen klinischen Tests, die du ohne Hilfsmittel außer einem Blatt Papier in wenigen Sekunden durchführen kannst. Es taucht in Anatomie-Testaten, in Untersuchungskursen und in Fallfragen zum N. ulnaris auf. Verstehen lässt es sich nur über die Mechanik des Daumens, und genau diese Mechanik wird gern gefragt.

Wie führst du das Froment-Zeichen durch?

  • Aufgabe: Die Person hält mit beiden Händen ein Blatt Papier zwischen Daumen und seitlichem Zeigefinger
  • Zug: Du ziehst das Papier langsam nach außen weg
  • Beobachtung: Du schaust auf das Daumenendgelenk beider Seiten
  • Positiv: Auf der betroffenen Seite beugt sich das Daumenendgelenk deutlich, um das Papier zu halten

Der Vergleich beider Hände ist wichtig, weil viele Menschen beim kräftigen Halten den Daumen etwas beugen. Auffällig ist eine deutliche Seitendifferenz.

Warum entsteht die Ersatzbewegung?

Beim seitlichen Schlüsselgriff drückt der M. adductor pollicis den gestreckten Daumen gegen den Zeigefinger. Dieser Muskel wird vom tiefen Ast des N. ulnaris versorgt. Unterstützt wird er vom ersten M. interosseus dorsalis, ebenfalls ein Ulnarismuskel. Fallen beide aus, sucht die Hand einen anderen Weg und setzt den M. flexor pollicis longus ein, der das Endgelenk beugt und so Kraft auf das Papier bringt. Der M. flexor pollicis longus wird vom N. medianus versorgt, genauer von seinem Ast am Unterarm. Die Ersatzbewegung nutzt also überwiegend mediane Muskelversorgung, um einen ulnaren Ausfall zu kompensieren.

Welche weiteren Tests gehören zum Ulnarisbefund?

Test Durchführung Hinweis bei Ulnarisschwäche
Fingerspreizen Finger gegen Widerstand spreizen, Seitenvergleich Schwäche der Mm. interossei dorsales
Fingerschließen Ein Blatt zwischen gestreckten Fingern festhalten Schwäche der Mm. interossei palmares
Kleinfingerstellung Hand in Ruhe betrachten Kleinfinger bleibt abgespreizt
Inspektion Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger ansehen Atrophie des ersten M. interosseus dorsalis
Sensibilität Berührung am Kleinfinger und ulnaren Ringfinger Vermindert im ulnaren Gebiet

Wann ist das Zeichen irreführend?

Ein Zeichen wird im gesamten Nervenbefund interpretiert. Ist der M. flexor pollicis longus selbst schwach, etwa bei einer Läsion des Medianusastes am Unterarm, kann die Ersatzbewegung gar nicht entstehen, und das Zeichen bleibt trotz Ulnarisschwäche negativ. Bei Arthrose im Daumensattelgelenk oder nach Verletzungen kann die Daumenhaltung ebenfalls verändert sein. Und bei einer Wurzelläsion C8 oder einer unteren Plexusläsion kann das Zeichen positiv sein, obwohl der N. ulnaris selbst intakt ist. Prüfe deshalb immer auch Medianusmuskeln und die Sensibilität am inneren Unterarm.

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Häufig gestellte Fragen

1. Welche Bewegung macht das Froment-Zeichen auffällig?

Eine übermäßige Beugung im Daumenendgelenk beim Festhalten des Papiers zwischen Daumen und Zeigefinger.

2. Welcher Muskel ist beim positiven Zeichen schwach?

Vor allem der M. adductor pollicis, unterstützt vom ersten M. interosseus dorsalis. Beide werden vom N. ulnaris versorgt.

3. Warum ist ein Medianusmuskel an der Ersatzbewegung beteiligt?

Der M. flexor pollicis longus beugt das Endgelenk und bringt so Kraft auf das Papier. Er wird vom N. medianus versorgt und kompensiert den ulnaren Ausfall.

4. Beweist ein positives Zeichen eine Ulnarisläsion?

Nein. Auch eine Läsion von C8 oder des unteren Plexus kann den Daumenadduktor schwächen. Das Zeichen wird im Gesamtbefund bewertet.

5. Wie dokumentierst du das Ergebnis?

Mit Seite und Ausprägung, zum Beispiel: Froment-Zeichen rechts positiv, links negativ. Dazu gehören Kraftgrade der geprüften Muskeln und der Sensibilitätsbefund.

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