Schock und Sepsis: sechs Fallbeispiele Schritt für Schritt

Kurz gesagt: Fallfragen zu Schock und Sepsis löst du mit drei Fragen in fester Reihenfolge: Liegt eine Minderperfusion vor, auch bei normalem Druck? Welcher Baustein ist gestört, Volumen, Pumpe, Gefäße oder ein Hindernis? Gibt es einen Infekt mit neuer Organdysfunktion? Die sechs Fälle auf dieser Seite zeigen, wie du diesen Weg anwendest und welche Details die Entscheidung tragen.

  • M2-Fallstil
  • 6 Fälle
  • Das entscheidende Detail
Lernheft Schock, Sepsis & Notfallgrundlagen – Titelseite
Lernheft Schock, Sepsis & Notfallgrundlagen18 Fallfragen mit Auflösung und Gegenfall. Zum passenden Material

Viele Studierende kennen die Fakten zu Schock und Sepsis, verlieren aber in der Fallvignette den Faden. Der Grund ist meist kein Wissensmangel, sondern eine fehlende Reihenfolge. Die folgenden Fälle sind kurz gehalten und für das Studium konstruiert. Lies jeden Fall, entscheide dich für eine Einordnung und markiere das Detail, auf das du dich stützt. Dann vergleiche mit der Auflösung.

Mit welchem Denkweg löst du jeden Fall?

  1. Minderperfusion? Haut, Bewusstsein, Urin, Laktat
  2. Welcher Baustein? Volumen, Pumpe, Gefäße, Hindernis
  3. Infekt mit Organdysfunktion? Dann Sepsis

Welche Fälle solltest du sicher lösen können?

Fall 1: Blutung mit normalem Druck

Ein 24-Jähriger nach Motorradunfall mit offener Unterschenkelfraktur ist tachykard mit 124/min, kaltschweißig und unruhig. Der Blutdruck liegt bei 118/76 mmHg. Einordnung: kompensierter hypovolämischer Schock. Vasokonstriktion und Tachykardie halten den Druck, die Gewebeversorgung ist trotzdem beeinträchtigt. Das tragende Detail ist die Kombination aus Tachykardie und Hautbefund, nicht der Druck.

Fall 2: Infarkt mit Rasselgeräuschen

Eine 72-Jährige mit Vorderwandinfarkt ist hypoton, kalt und hat feuchte Rasselgeräusche über beiden Lungen. Einordnung: kardiogener Schock. Das Pumpversagen erklärt Vorwärtsversagen und Lungenstauung zugleich. Eine unkritische große Volumengabe würde die Stauung verschlechtern.

Fall 3: Gestaute Halsvenen, freie Lunge

Ein 58-Jähriger nach langer Flugreise wird plötzlich dyspnoisch und hypoton, die Halsvenen sind gestaut, die Lunge ist auskultatorisch frei, sonografisch ist der rechte Ventrikel erweitert. Einordnung: obstruktiver Schock durch massive Lungenembolie. Der erhöhte pulmonale Widerstand begrenzt den rechten Auswurf und sekundär die linksseitige Füllung.

Fall 4: Harnwegsinfekt mit Verwirrtheit

Eine 79-Jährige mit Harnwegsinfekt ist neu verwirrt, oligurisch und hypoton, die Temperatur liegt bei 36,8 °C. Sonografisch zeigt sich ein Harnstau rechts. Einordnung: Sepsis mit Verdacht auf septischen Schock bei infiziertem Harnstau. Neben Kulturen und antimikrobieller Therapie braucht der Herd eine dringliche Entlastung.

Fall 5: Stridor ohne Ausschlag

Ein 30-Jähriger entwickelt Minuten nach einem Bienenstich Stridor und Blutdruckabfall, die Haut ist unauffällig. Einordnung: Anaphylaxie mit Atemweg- und Kreislaufbeteiligung, distributiver Schock. Fehlende Hautzeichen schließen die Diagnose nicht aus.

Fall 6: Hohes Laktat nach Krampfanfall

Eine 35-Jährige mit bekannter Epilepsie wird nach einem generalisierten Anfall gebracht. Laktat ist deutlich erhöht, sie ist afebril, die Haut warm und rosig, der Kreislauf stabil. Nach einer Stunde fällt das Laktat deutlich. Einordnung: vermehrte Laktatbildung durch Muskelarbeit, kein Schock. Ein erhöhtes Laktat allein beweist keinen septischen Schock.

Fall Einordnung Tragendes Detail
1 Unfall Hypovolämisch, kompensiert Tachykardie und kalte Haut bei normalem Druck
2 Infarkt Kardiogen Lungenstauung
3 Flugreise Obstruktiv Gestaute Halsvenen bei freier Lunge, Rechtsherzbelastung
4 Harnstau Sepsis, Herdkontrolle nötig Neue Organdysfunktion ohne Fieber
5 Bienenstich Anaphylaxie, distributiv Stridor und Hypotonie nach Exposition
6 Krampfanfall Kein Schock Alternative Erklärung, rascher Laktatabfall

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So übst du mit Fällen

Schreib vor dem Auflösen einen Satz mit deiner Einordnung und dem tragenden Detail. Wenn du falsch lagst, notiere, welchen Baustein du verwechselt hast. Nach einigen Fällen siehst du, ob deine Fehler eher bei der Stauung, bei der Haut oder beim Laktat liegen.

Häufig gestellte Fragen

1. Wie erkenne ich im Fall den kompensierten Schock?

An Tachykardie, kalter Haut, Unruhe und Oligurie bei noch normalem Blutdruck.

2. Woran trenne ich kardiogenen und obstruktiven Schock?

Beim kardiogenen Schock nach Linksherzversagen ist die Lunge meist gestaut, beim obstruktiven Schock durch Lungenembolie typischerweise frei.

3. Muss eine Sepsis mit Fieber einhergehen?

Nein. Entscheidend ist die neue Organdysfunktion bei Infekt. Fieber kann fehlen.

4. Was ist Herdkontrolle?

Die Beseitigung oder Entlastung der Infektionsquelle, etwa ein Abszess, ein infizierter Fremdkörper oder ein blockierter Abfluss wie ein Harnstau.

5. Wie viele Fälle sollte ich vor dem M2 üben?

So viele, bis du bei jedem Fall das tragende Detail benennen kannst. Wichtiger als die Menge ist die Analyse der eigenen Fehler.

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