Kurz gesagt: Die kaudalen Hirnnerven IX bis XII steuern Schlucken, Stimme, Schulter und Zunge. In Prüfungen geht es vor allem um Seitenregeln: Bei einer einseitigen Vagusparese weicht die Uvula zur gesunden Seite ab, bei einer peripheren Hypoglossusparese die Zunge zur kranken Seite. Der rechte M. sternocleidomastoideus dreht den Kopf nach links. Wer diese drei Richtungen sicher ableitet, vermeidet die häufigsten Fehler.
Im Physikum werden die letzten vier Hirnnerven gern zusammen gefragt, weil sie die Schädelbasis eng beieinander verlassen und klinisch oft gemeinsam ausfallen. IX, X und XI ziehen durch das Foramen jugulare, XII durch den Canalis nervi hypoglossi. Diese Nähe erklärt, warum ein Prozess an der Schädelbasis mehrere Nerven gleichzeitig treffen kann. Gleichzeitig hat jeder Nerv eigene Prüfungen, die du auseinanderhalten musst.
Was macht der N. glossopharyngeus?
Der IX. Hirnnerv ist vor allem ein afferenter Nerv. Er führt Geschmack und allgemeine Sensibilität aus dem hinteren Zungendrittel, Sensibilität aus Pharynx und Mittelohr sowie viszerale Afferenzen aus dem Sinus caroticus, die für die Blutdruckregulation wichtig sind. Parasympathisch versorgt er über das Ganglion oticum die Glandula parotidea. Motorisch innerviert er nur den M. stylopharyngeus.
Klinisch ist der Glossopharyngeus schwer isoliert zu prüfen. Beim Würgreflex läuft die Afferenz über IX, die Efferenz über X. Viele Funktionen überlappen mit dem Vagus, deshalb solltest du ein funktionelles Netzwerk nicht auf eine einzige Nummer reduzieren. Schlucken ist kein Test eines einzigen Nervs, sondern das Zusammenspiel mehrerer Hirnnerven, Muskeln und zentraler Programme.
Welche Aufgaben hat der N. vagus?
Der X. Hirnnerv hat das größte Versorgungsgebiet aller Hirnnerven. Er innerviert die Muskulatur von Gaumen, Pharynx und Larynx, führt Sensibilität aus Kehlkopf und Teilen des äußeren Gehörgangs und versorgt parasympathisch Herz, Lunge und weite Teile des Verdauungstrakts. Für die Stimme entscheidend ist der N. laryngeus recurrens. Er innerviert alle inneren Kehlkopfmuskeln außer dem M. cricothyroideus, der vom N. laryngeus superior versorgt wird.
Der Recurrens zieht links um den Aortenbogen, rechts um die A. subclavia und läuft dann neben der Schilddrüse nach oben. Daraus ergeben sich zwei Klassiker: Heiserkeit nach Schilddrüsenoperation und Heiserkeit als Hinweis auf einen Prozess im Mediastinum, etwa ein Aortenaneurysma oder einen Tumor, links häufiger als rechts. Heiserkeit allein lokalisiert aber nicht sicher, denn sie hat auch viele lokale Ursachen am Kehlkopf.
| Nerv | Austritt | Basisprüfung | Seitenregel bei einseitiger Läsion |
|---|---|---|---|
| IX Glossopharyngeus | Foramen jugulare | Sensibilität Rachen, Würgreflex (Afferenz) | Abgeschwächter Würgreflex bei Reizung der betroffenen Seite |
| X Vagus | Foramen jugulare | Gaumensegel beim „Ah“, Stimme, Schlucken | Gaumensegel hängt auf der kranken Seite, Uvula weicht zur gesunden Seite ab |
| XI Accessorius | Foramen jugulare | Schulterhebung und Kopfwendung gegen Widerstand | Schulter steht tiefer auf der kranken Seite, Kopfwendung zur Gegenseite schwächer |
| XII Hypoglossus | Canalis nervi hypoglossi | Zunge in Ruhe, herausstrecken, seitlich bewegen | Peripher: Abweichen zur kranken Seite, Atrophie möglich |
Wie prüfst du den N. accessorius richtig?
Der XI. Hirnnerv versorgt den M. sternocleidomastoideus und den M. trapezius. Den Trapezius prüfst du über das Anheben der Schulter gegen Widerstand auf derselben Seite. Beim Sternocleidomastoideus musst du die Muskelmechanik mitdenken: Der Muskel zieht vom Warzenfortsatz zum Brustbein und dreht den Kopf zur Gegenseite. Wer den rechten Muskel testen will, lässt den Kopf gegen Widerstand nach links drehen.
Eine typische Ursache für eine isolierte Accessoriusläsion ist eine Verletzung im seitlichen Halsdreieck, etwa nach einer Lymphknotenbiopsie. Die Folge ist eine abgesunkene Schulter und eine Schwäche beim Heben des Arms über die Horizontale. Bedenke, dass Schmerz eine Schwäche vortäuschen kann. Dokumentiere deshalb, ob die Bewegung schmerzhaft war.
Probefrage im Prüfungsstil
Bei einem Patienten fällt nach einem Prozess an der rechten Schädelbasis Folgendes auf: Beim „Ah“-Sagen hebt sich das Gaumensegel rechts schwächer, die Stimme ist heiser, die rechte Schulter steht tiefer. Die Zunge wird gerade herausgestreckt. Welche Struktur ist am ehesten betroffen?
- ACanalis nervi hypoglossi rechts
- BForamen jugulare rechts
- CForamen ovale rechts
- DPorus acusticus internus rechts
- EN. laryngeus recurrens links
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Wohin weicht die Zunge bei einer Hypoglossusläsion ab?
Der XII. Hirnnerv innerviert die Zungenmuskulatur mit einer Ausnahme: Der M. palatoglossus wird über den Vagus versorgt. Beim Herausstrecken schiebt der M. genioglossus jeder Seite die Zunge nach vorn und leicht zur Gegenseite. Fällt eine Seite peripher aus, überwiegt der gesunde Muskel, und die Zunge weicht zur kranken Seite ab. Mit der Zeit kann die gelähmte Seite atrophieren, oft sieht man Faszikulationen.
Bei einer zentralen Läsion oberhalb des Kerns ist das Begleitmuster anders. Die Zunge weicht dann in der Regel zur Gegenseite der Läsion ab, eine Atrophie fehlt, und meist finden sich weitere zentrale Zeichen wie eine Halbseitenlähmung. Betrachte die Zunge deshalb nicht nur in Ruhe, sondern auch beim Herausstrecken und bei Seitwärtsbewegungen.
Bulbärparalyse oder Pseudobulbärparalyse: wie unterscheidest du sie?
Fallen die kaudalen Hirnnerven oder ihre Kerne in der Medulla oblongata aus, spricht man von Bulbärparalyse. Typisch sind schlaffe Lähmung, Zungenatrophie, Faszikulationen und abgeschwächter Würgreflex. Bei der Pseudobulbärparalyse sind dagegen die zentralen Bahnen beidseits geschädigt, die zu den Kernen ziehen. Dann ist die Zunge klein und spastisch, aber nicht atroph, die Reflexe sind eher gesteigert, und pathologisches Lachen oder Weinen kommt vor. Beide Bilder führen zu Schluck- und Sprechstörungen, unterscheiden sich aber im Befund am Hirnnerv.
Die vier kaudalen Hirnnerven bearbeitet das Lernheft Die zwölf Hirnnerven in eigenen Modulen mit Fallfrage, darunter Heiserkeit nach Halsoperation, die Trapezius-Prüfung und die Zungenabweichung bei XII-Läsion.
Häufige Fragen
Welche Hirnnerven ziehen durch das Foramen jugulare?
Der N. glossopharyngeus, der N. vagus und der N. accessorius. Dazu kommt die V. jugularis interna. Der N. hypoglossus verlässt den Schädel getrennt durch den Canalis nervi hypoglossi.
Wohin weicht die Uvula bei einer Vagusparese ab?
Zur gesunden Seite. Das Gaumensegel der kranken Seite hebt sich beim „Ah“-Sagen schwächer, die gesunde Seite zieht die Uvula zu sich herüber.
Welche Bewegung prüft den rechten M. sternocleidomastoideus?
Die Kopfwendung nach links gegen Widerstand. Der Muskel dreht den Kopf zur Gegenseite. Den rechten M. trapezius prüfst du dagegen über das Anheben der rechten Schulter.
Warum führt eine Schilddrüsenoperation manchmal zu Heiserkeit?
Der N. laryngeus recurrens verläuft dicht an der Schilddrüse. Wird er bei der Operation gereizt oder geschädigt, ist die Funktion der inneren Kehlkopfmuskeln gestört. Andere Ursachen der Heiserkeit, etwa durch die Intubation, kommen ebenfalls infrage.
Welcher Zungenmuskel wird nicht vom N. hypoglossus versorgt?
Der M. palatoglossus. Er wird über den Plexus pharyngeus vom N. vagus innerviert. Alle anderen inneren und äußeren Zungenmuskeln versorgt der XII. Hirnnerv.
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Dieser Artikel dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapieentscheidung. Verbindlich sind die aktuellen Lehrbücher, Leitlinien und die IMPP-Gegenstandskataloge. Stand: November 2026.

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