Hämolyse intravasal oder extravasal? Laborbefunde richtig einordnen
Kurz gesagt: Bei einer Hämolyse steigen LDH und indirektes Bilirubin, das Haptoglobin fällt, und ein intaktes Knochenmark antwortet mit mehr Retikulozyten. Zerfallen die Zellen in der Blutbahn, entsteht freies Hämoglobin, das Haptoglobin verbraucht und bei ausgeprägtem Zerfall im Urin erscheint. Werden sie in Milz und Leber abgebaut, steht das Bilirubin im Vordergrund. Kein Einzelmarker lokalisiert die Hämolyse sicher, Ausstrich und Coombs-Test helfen weiter.
M2 und Innere
Blutbahn oder Milz
Lernheft Modul 07
Lernheft Anämien & Blutbild18 Module mit Fallfragen, Bildtafeln und Selbsttests. Zum passenden Material
Hämolytische Anämien wirken zunächst unübersichtlich: hereditäre Membrandefekte, Enzymdefekte, Hämoglobinopathien, Autoimmunprozesse, mechanische Schäden. Für Prüfung und Station hilft eine einfache Reihenfolge. Erst bestätigst du, dass überhaupt eine Hämolyse vorliegt. Dann fragst du, wo die Zellen zerstört werden. Erst danach suchst du die Ursache.
Welche Laborwerte zeigen eine Hämolyse?
LDH erhöht: das Enzym wird aus zerfallenden Erythrozyten frei, ist aber unspezifisch
Haptoglobin erniedrigt: es bindet freies Hämoglobin und wird mit ihm abgebaut
Indirektes Bilirubin erhöht: beim Abbau von Häm entsteht unkonjugiertes Bilirubin
Retikulozyten erhöht: das Knochenmark ersetzt die Zellen, sofern es intakt ist
Ausstrich: Sphärozyten, Fragmentozyten, Sichelzellen oder Heinz-Innenkörper geben den Mechanismus vor
Die Kombination aus erhöhter LDH und erniedrigtem Haptoglobin macht eine Hämolyse sehr wahrscheinlich. Ein niedriges Haptoglobin allein kann auch bei schwerer Lebererkrankung vorkommen, weil die Leber es bildet. Umgekehrt steigt Haptoglobin als Akutphaseprotein bei Entzündung und kann eine Hämolyse verdecken.
Was unterscheidet intravasale und extravasale Hämolyse?
Merkmal
Intravasal
Extravasal
Ort des Abbaus
Blutbahn
Makrophagen in Milz und Leber
Haptoglobin
Stark erniedrigt bis nicht messbar
Oft erniedrigt, meist weniger ausgeprägt
Freies Hämoglobin und Urin
Hämoglobinämie, Hämoglobinurie, später Hämosiderinurie
Viele Hämolysen haben beide Anteile. Beim G6PD-Mangel etwa zerfallen Zellen in der Blutbahn, geschädigte Zellen werden zusätzlich in der Milz abgebaut. Die Einteilung ist deshalb eine Orientierung, kein Ausschlusskriterium.
Wie geht es nach der Lokalisation weiter?
Der direkte Antihumanglobulintest, früher direkter Coombs-Test, trennt immunologische von nicht immunologischen Ursachen. Er weist Antikörper oder Komplement auf der Oberfläche der Erythrozyten nach. Positiv ist er bei autoimmunhämolytischer Anämie, Transfusionsreaktion und Morbus haemolyticus neonatorum. Ist er negativ, richtet sich der Blick auf Membran, Enzyme, Hämoglobin und mechanische Schäden. Der Ausstrich ist dann der wichtigste nächste Schritt.
Vorklinik bis Klinik
Lernheft Anämien & Blutbild
Hämolyse, Ausstrich und Pentosephosphatweg als zusammenhängende Module mit Fallfragen und Gegenfall.
Intravasal gegen extravasal
Fragmentozyten gegen Sphärozyten
64 Seiten PDF mit Selbsttests und Lösungsschlüssel
Eine zu lange gestaute oder unsanft abgenommene Blutprobe kann in vitro hämolysieren. Dann sind Kalium und LDH falsch hoch, das Haptoglobin aber normal und der Patient klinisch unauffällig. Bei isolierter Hyperkaliämie und Hämolysehinweis des Labors wird zuerst neu abgenommen.
Häufig gestellte Fragen
1. Welcher Laborwert ist am spezifischsten für Hämolyse?
Ein erniedrigtes Haptoglobin in Kombination mit erhöhter LDH. Jeder Wert allein ist unspezifisch.
2. Warum ist bei Hämolyse das indirekte Bilirubin erhöht?
Beim Abbau von Häm entsteht unkonjugiertes Bilirubin, das die Leber erst konjugieren muss. Bei starkem Anfall übersteigt es ihre Kapazität.
3. Was ist Hämosiderinurie?
Der Nachweis von Hämosiderin in abgeschilferten Tubuluszellen im Urin. Er zeigt eine chronische intravasale Hämolyse an und tritt einige Tage nach Beginn auf.
4. Wozu dient der direkte Coombs-Test?
Er weist Antikörper oder Komplement auf den Erythrozyten nach und trennt immunologische von nicht immunologischen Hämolysen.
5. Kann eine Hämolyse ohne Anämie bestehen?
Ja. Wenn das Knochenmark den Verlust vollständig ausgleicht, bleibt das Hämoglobin normal. Man spricht dann von kompensierter Hämolyse.
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