Lipase erhöht: wann es eine akute Pankreatitis ist und wann nicht
Kurz gesagt: Eine akute Pankreatitis wird gestellt, wenn zwei von drei Bausteinen vorliegen: typischer Oberbauchschmerz, eine Lipase über dem Dreifachen der oberen Normgrenze und passende Bildgebung. Eine erhöhte Lipase allein reicht nicht. Sie steigt auch bei Niereninsuffizienz, Darmischämie, Perforation, diabetischer Ketoazidose oder als Makrolipase. Die Höhe der Lipase sagt außerdem nichts über den Schweregrad, der sich an Organversagen und Komplikationen bemisst.
Zwei von drei
Dreifache Norm
Höhe ist nicht Schwere
Lernheft Leber, Galle & Pankreas18 Module mit Fallfragen, Merkskizzen und Selbsttest. Zum passenden Material
In der Notaufnahme wird die Lipase bei Bauchschmerzen fast routinemäßig bestimmt. Entsprechend oft ist sie erhöht, ohne dass eine Pankreatitis vorliegt. Prüfungsfragen spielen mit diesem Missverhältnis. Sie zeigen eine leicht erhöhte Lipase bei einem Patienten mit untypischen Beschwerden und fragen nach der nächsten Maßnahme, oder sie zeigen eine extrem hohe Lipase und fragen, ob die Pankreatitis deshalb schwer ist. Beide Fallen lassen sich mit den Kriterien und ein paar Grundregeln umgehen.
Welche Kriterien gelten für die Diagnose?
Die gängigen Leitlinien, darunter die DGVS-Leitlinie zur Pankreatitis, und die revidierte Atlanta-Klassifikation nutzen drei Bausteine. Mindestens zwei müssen erfüllt sein. Ist der Schmerz typisch und die Lipase deutlich erhöht, braucht es für die Diagnose keine Bildgebung. Die Bildgebung dient dann der Ursachensuche und später der Erkennung von Komplikationen.
Baustein
Was zählt
Prüfungsfalle
Schmerz
akuter, anhaltender Oberbauchschmerz, oft gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend
bei älteren oder sedierten Patienten kann er unauffällig sein
Lipase
mehr als das Dreifache der oberen Normgrenze
leichte Erhöhungen sind unspezifisch, die Höhe korreliert nicht mit der Schwere
Bildgebung
typische Veränderungen in Sonografie, CT oder MRT
ein frühes CT in den ersten Tagen unterschätzt Nekrosen und ist nicht routinemäßig nötig
Wann ist die Lipase erhöht, ohne dass das Pankreas entzündet ist?
Lipase wird überwiegend renal eliminiert. Bei eingeschränkter Nierenfunktion steigt sie deshalb an. Bei Darmischämie, Ileus oder Perforation gelangt Lipase aus dem Darm oder Pankreas vermehrt ins Blut. Weitere Ursachen sind diabetische Ketoazidose, Schädel-Hirn-Trauma, bestimmte Tumoren und die Makrolipase, bei der Lipase an Immunglobuline gebunden und dadurch schlechter ausgeschieden wird. In all diesen Fällen fehlt das typische klinische Bild, und die Bildgebung zeigt kein entzündetes Pankreas.
Niere: verminderte Ausscheidung bei Niereninsuffizienz
Darm: Ischämie, Obstruktion oder Perforation mit Lipasefreisetzung
Stoffwechsel: diabetische Ketoazidose kann die Lipase ohne Pankreatitis erhöhen
Labor: Makrolipase als harmlose, dauerhaft erhöhte Konstellation
Lernheft 24
Leber, Galle & Pankreas
Pankreatitis, Gallenwege und Leberwerte in 18 Modulen mit Fall, Gegenfall und Selbsttest.
Akute Pankreatitis gegen exokrine Insuffizienz
Pankreasgänge, gemeinsame Mündung und Gallensteine
Die revidierte Atlanta-Klassifikation unterscheidet drei Grade. Die milde Pankreatitis verläuft ohne Organversagen und ohne lokale oder systemische Komplikationen. Die moderat schwere Form zeigt ein vorübergehendes Organversagen, das sich innerhalb von 48 Stunden zurückbildet, oder lokale Komplikationen wie Flüssigkeitsansammlungen und Nekrosen. Die schwere Pankreatitis ist durch ein anhaltendes Organversagen über 48 Stunden definiert. Die Lipasehöhe spielt in dieser Einteilung keine Rolle. Klinische Parameter wie Kreislauf, Nierenfunktion, Hämatokrit, Harnstoff und Atmung sind entscheidend.
Nach der Diagnose kommt die Ursache
Die häufigsten Ursachen sind Gallensteine und Alkohol. Daneben stehen Hypertriglyzeridämie, Hyperkalzämie, Medikamente und die Pankreatitis nach ERCP. Eine Sonografie sucht früh nach Gallensteinen und einem erweiterten Gallengang, weil sich daraus Konsequenzen für das weitere Vorgehen ergeben.
Häufig gestellte Fragen
1. Ab welchem Lipasewert spricht man von Pankreatitis?
Als Kriterium gilt eine Lipase über dem Dreifachen der oberen Normgrenze. Zusammen mit typischem Schmerz oder passender Bildgebung erfüllt sie die Diagnose.
2. Sagt eine sehr hohe Lipase eine schwere Pankreatitis voraus?
Nein. Die Höhe der Lipase korreliert nicht mit dem Schweregrad. Dieser bemisst sich an Organversagen und lokalen oder systemischen Komplikationen.
3. Warum ist die Lipase besser als die Amylase?
Sie ist spezifischer für das Pankreas und bleibt länger erhöht. Die Amylase steigt auch bei Speicheldrüsenerkrankungen und anderen Zuständen und normalisiert sich schneller.
4. Braucht jede Pankreatitis ein CT?
Nein. Ist die Diagnose klinisch und laborchemisch gesichert, ist ein frühes CT meist nicht nötig. Es wird bei unklarer Diagnose oder bei Verdacht auf Komplikationen eingesetzt, Nekrosen werden typischerweise erst nach einigen Tagen sicher erkennbar.
5. Was ist eine Makrolipase?
Lipase, die an Immunglobuline gebunden ist und deshalb schlecht ausgeschieden wird. Die Lipase ist dauerhaft erhöht, ohne dass eine Erkrankung des Pankreas vorliegt.
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