Nephron-Abschnitte im Physikum: was wo resorbiert wird

Kurz gesagt: Der Glomerulus filtriert, der proximale Tubulus gewinnt den größten Teil von Natrium, Wasser und Bicarbonat sowie fast alle Glucose und Aminosäuren zurück, die Henle-Schleife baut den Markgradienten auf, der distale Tubulus verdünnt weiter und reguliert Calcium, und das Sammelrohr erledigt unter Aldosteron und ADH die Feinregulation von Natrium, Kalium, Protonen und Wasser. Wer zu jedem Abschnitt Transporter und Hormon kennt, löst die meisten Physikumfragen zur Niere.

  • Physikum und M2
  • 5 Abschnitte, 1 Weg
  • Transporter und Hormone
Lernheft Niere, Nephron & RAAS aus der Reihe Medizin Helden
Lernheft Niere, Nephron & RAAS18 Module vom Glomerulus bis zum Sammelrohr mit Fallfragen und Selbsttests. Zum passenden Material

Die Nierenphysiologie wirkt im ersten Durchgang wie eine lange Liste aus Transportern, Prozentangaben und Hormonen. Sie wird übersichtlich, sobald du sie als Weg liest: Das Filtrat fließt vom Glomerulus durch fünf Abschnitte, und jeder Abschnitt hat eine eigene Aufgabe. Diese Seite ordnet die Abschnitte so, wie sie im Physikum gefragt werden, und zeigt dir die Stellen, an denen die meisten Fehler passieren.

Warum ist Primärharn noch kein Endharn?

Im Glomerulus werden beim Erwachsenen täglich rund 180 Liter Primärharn filtriert, ausgeschieden werden davon etwa 1,5 Liter. Der Rest wird im Tubulussystem zurückgewonnen. Was am Ende im Urin landet, ergibt sich aus drei Prozessen: Filtration vom Blut ins Lumen, Rückresorption vom Lumen ins Blut und Sekretion vom Blut ins Lumen. Ein Stoff, der im Primärharn auftaucht, muss deshalb nicht im Endharn erscheinen. Umgekehrt kann ein Stoff, der kaum filtriert wird, über Sekretion trotzdem ausgeschieden werden.

  • Filtrierte Last: GFR mal Plasmakonzentration, die Menge, die pro Zeit ins Lumen gelangt
  • Rückresorption: Transport aus dem Lumen zurück ins Blut, aktiv, sekundär aktiv oder passiv
  • Sekretion: zusätzlicher Transport ins Lumen, etwa von Kalium, Protonen, organischen Anionen und Kationen
  • Ausscheidung: filtrierte Last minus Rückresorption plus Sekretion

Welcher Abschnitt macht was?

Abschnitt Hauptaufgabe Wichtige Transporter und Hormone
Glomerulus Ultrafiltration von Plasmawasser, zellarm und proteinarm Endothel, Basalmembran, Podozyten; GFR über Vas afferens und Vas efferens gesteuert
Proximaler Tubulus Massentransport: etwa zwei Drittel von Natrium und Wasser, der größte Teil des Bicarbonats, nahezu alle Glucose und Aminosäuren Na-K-ATPase, SGLT2 und SGLT1, Na-H-Austauscher NHE3, Carboanhydrase; Angiotensin II fördert, PTH hemmt die Phosphatrückresorption
Henle-Schleife Absteigend Wasserabgabe, dick aufsteigend Salzrückresorption ohne Wasser; Aufbau des Markgradienten NKCC2 und ROMK im dicken aufsteigenden Schenkel, parazelluläre Calcium- und Magnesiumrückresorption
Früher distaler Tubulus Weitere NaCl-Rückresorption und Verdünnung, regulierte Calciumrückresorption NaCl-Kotransporter NCC, Calciumkanal unter PTH-Einfluss
Sammelrohr Feinregulation von Natrium, Kalium, Protonen und Wasser Hauptzellen: ENaC, ROMK, Aquaporin-2 unter Aldosteron und ADH; Schaltzellen: Protonen- oder Bicarbonatsekretion

Merke dir als Faustregel: Je weiter hinten im Nephron, desto kleiner die transportierte Menge und desto stärker die hormonelle Steuerung. Der proximale Tubulus arbeitet weitgehend gleichförmig und folgt dem Angebot, das Sammelrohr reagiert auf Aldosteron und ADH und entscheidet über die endgültige Zusammensetzung des Urins.

Wo liegen die typischen Verwechslungen?

Die meisten falschen Kreuze entstehen nicht aus fehlendem Wissen, sondern aus vertauschten Eigenschaften. Drei Verwechslungen tauchen immer wieder auf. Erstens die Wasserdurchlässigkeit der Henle-Schleife: Der absteigende Schenkel ist wasserpermeabel, der dicke aufsteigende Schenkel nicht. Zweitens die Hormonwirkung: Aldosteron wirkt auf den Natriumtransport und die Kaliumsekretion, ADH auf die Wasserdurchlässigkeit. Drittens die Calciumregulation: Im dicken aufsteigenden Schenkel läuft sie passiv über das Lumenpotenzial, im distalen Tubulus aktiv und hormonell gesteuert.

Lernheft 03

Niere, Nephron & RAAS

Der Weg des Filtrats in 18 Modulen: erst erklären, dann die Fallfrage, dann Lösung und Abrufcheck.

  • Nephron, Filtrationsbarriere, Filtrationsdruck, GFR und Kreatinin
  • Proximaler Tubulus, Henle-Schleife, distaler Tubulus, Sammelrohr und ADH
  • RAAS, Aldosteron, Kalium, Natrium, Säureausscheidung und Diuretika

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In welcher Reihenfolge lernst du die Abschnitte?

Lerne die Niere so, wie das Filtrat sie durchläuft. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf, und die Hormone kommen erst, wenn die Transporte sitzen.

  1. Schritt 1

    Filtration

    Filtrationsbarriere, Filtrationsdruck, GFR und Clearance.

  2. Schritt 2

    Proximal

    Na-K-ATPase als Motor, Cotransport von Glucose und Aminosäuren, Bicarbonatrückgewinnung.

  3. Schritt 3

    SchleifeGradient

    Gegenstromprinzip, NKCC2, Verdünnung und Markgradient.

  4. Schritt 4

    Distal und Sammelrohr

    NCC, ENaC, Kaliumsekretion, Aquaporin-2 und Schaltzellen.

  5. Schritt 5

    Regelkreise

    RAAS, ADH und Diuretika als Anwendung auf den ganzen Weg.

Prozentangaben nicht überbewerten

Die Anteile pro Abschnitt schwanken je nach Lehrbuch. Im Physikum wird fast immer die Rangfolge gefragt, also wo am meisten resorbiert wird und wo hormonell reguliert wird. Lerne die Reihenfolge sicher, die genauen Zahlen sind zweitrangig.

Häufig gestellte Fragen

1. Wo wird im Nephron am meisten Natrium resorbiert?

Im proximalen Tubulus, dort wird etwa zwei Drittel des filtrierten Natriums zurückgewonnen. Der dicke aufsteigende Schenkel der Henle-Schleife folgt an zweiter Stelle, distaler Tubulus und Sammelrohr resorbieren nur noch kleinere Anteile.

2. Welcher Abschnitt ist für Wasser undurchlässig?

Der dicke aufsteigende Schenkel der Henle-Schleife. Er resorbiert Salz, lässt aber kaum Wasser folgen und verdünnt dadurch den Tubulusinhalt. Auch der frühe distale Tubulus ist nur begrenzt wasserdurchlässig.

3. Wo wirken Aldosteron und ADH?

Beide wirken vor allem im Sammelrohr. Aldosteron steigert in den Hauptzellen die Natriumrückresorption über ENaC und die Kaliumsekretion, ADH baut über V2-Rezeptoren Aquaporin-2 in die apikale Membran ein und erhöht die Wasserdurchlässigkeit.

4. Warum ist der Inhalt des proximalen Tubulus isoton?

Weil Wasser dort dem resorbierten Salz osmotisch folgt. Die Wand ist gut wasserdurchlässig, deshalb verändert sich die Osmolalität kaum, obwohl große Mengen Natrium und Wasser zurückgewonnen werden.

5. Was ist der Unterschied zwischen Haupt- und Schaltzellen?

Hauptzellen des Sammelrohrs transportieren Natrium, Kalium und Wasser unter Aldosteron und ADH. Schaltzellen regulieren den Säure-Basen-Haushalt, indem sie Protonen oder Bicarbonat sezernieren.

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