Glomeruläre Filtration: Filtrationsdruck, Kf und Harnstau
Kurz gesagt: Die glomeruläre Filtration entsteht aus Druckkräften. Der hydrostatische Druck in den Glomerulumkapillaren treibt Plasmawasser in die Bowman-Kapsel, der Kapseldruck und der kolloidosmotische Druck der Plasmaproteine wirken dagegen. Die Differenz ist der effektive Filtrationsdruck, multipliziert mit dem Filtrationskoeffizienten Kf ergibt sich die GFR. Ein Harnstau erhöht den Gegendruck, ein Verlust an Filtrationsfläche senkt Kf, ein Barrieredefekt verändert vor allem die Selektivität.
Physikum-Klassiker
3 Drücke und Kf
Postrenal mitdenken
Lernheft Niere, Nephron & RAASFiltrationsbarriere, Filtrationsdruck und GFR als eigene Module mit Fallfragen. Zum passenden Material
Im Physikum wird die glomeruläre Filtration fast immer über Veränderungen gefragt: Was passiert mit der GFR, wenn der Plasmaproteingehalt sinkt, wenn ein Stein den Harnleiter verschließt oder wenn die Zahl funktionierender Glomeruli abnimmt? Die Antworten lassen sich alle aus einer Gleichung ableiten. Diese Seite erklärt die einzelnen Kräfte, zeigt, wie sie sich entlang der Kapillare verändern, und verbindet sie mit den klinischen Bildern, die du später auf Station siehst.
Welche Kräfte treiben die Filtration an?
Am Glomerulus wirken dieselben Starling-Kräfte wie an jeder Kapillare, nur auf deutlich höherem Druckniveau. Der hydrostatische Kapillardruck ist die treibende Kraft. Ihm entgegen stehen der hydrostatische Druck in der Bowman-Kapsel und der kolloidosmotische Druck des Plasmas, der Wasser in der Kapillare hält. Der kolloidosmotische Druck im Filtrat ist praktisch null, weil das Filtrat kaum Proteine enthält.
Kapillardruck: treibt die Filtration, wird über Vas afferens und Vas efferens eingestellt
Kapseldruck: wirkt entgegen, steigt bei Abflussbehinderung
Plasmaonkotik: hält Wasser zurück, steigt entlang der Kapillare an
Kf: Fläche mal Durchlässigkeit der Barriere, sinkt bei Verlust von Glomeruli
Weil Wasser abfiltriert wird, die Proteine aber in der Kapillare bleiben, steigt der onkotische Druck vom Anfang zum Ende der Glomerulumkapillare an. Der effektive Filtrationsdruck nimmt dadurch entlang der Kapillare ab. Je mehr Plasma pro Zeit durch den Glomerulus fließt, desto langsamer steigt die Onkotik, und desto länger bleibt die Filtration wirksam. Deshalb hängt die GFR auch vom renalen Plasmafluss ab.
sinkt, postrenales Nierenversagen bei beidseitiger oder Einzelnierenobstruktion
Deutlich erniedrigte Plasmaproteine
Plasmaonkotik sinkt
tendenziell höher, klinisch oft durch andere Faktoren überlagert
Hämokonzentration, Exsikkose
Plasmaonkotik steigt, Perfusion sinkt
sinkt, prärenale Situation
Verengung des Vas afferens
Kapillardruck sinkt
sinkt
Verengung des Vas efferens
Kapillardruck steigt, Plasmafluss sinkt
bleibt erhalten oder steigt, Filtrationsfraktion steigt
Verlust funktionierender Glomeruli, Vernarbung
Kf sinkt
sinkt
Die Arteriolenszenarien mit ACE-Hemmern und NSAR sind ein eigenes Prüfungsthema. Sie werden im Artikel zu afferenter und efferenter Arteriole ausführlich durchgespielt.
Warum senkt der Blutdruck die GFR nicht direkt?
Weil die Niere ihre Filtration in einem weiten Druckbereich selbst stabilisiert. Die myogene Antwort des Vas afferens und das tubuloglomeruläre Feedback über die Macula densa halten den Druck im Glomerulus relativ konstant. Erst wenn der Perfusionsdruck unter den Regelbereich fällt, etwa im Schock, oder wenn die Regulation gestört ist, bildet sich der systemische Druck direkt in der GFR ab. Im Physikum lautet die typische Falle deshalb: Blutdruck allein bestimmt die GFR nicht.
Lernheft 03
Niere, Nephron & RAAS
Filtration, Tubulus und Regelkreise in 18 Modulen mit Merkskizzen, Fallfragen und Abrufchecks.
Filtrationsbarriere, Filtrationsdruck und Autoregulation
GFR, Clearance und Kreatinin im Kontext
Bildtafeln zum Nephronweg und zwei gemischte Selbsttests
Was hat die Filtrationsbarriere mit der GFR zu tun?
Die Barriere besteht aus fenestriertem Endothel, glomerulärer Basalmembran und den Schlitzdiaphragmen zwischen den Podozytenfortsätzen. Sie lässt Wasser und kleine Moleküle frei passieren und hält größere Proteine wie Albumin weitgehend zurück. Größe, Form und Ladung eines Moleküls entscheiden über den Durchtritt.
Selektivität und Filtrationsrate sind zwei verschiedene Dimensionen der Nierenfunktion. Eine geschädigte Barriere kann Albumin durchlassen, während die GFR noch normal ist. Deshalb gehören bei der Beurteilung der Nierenfunktion immer zwei Werte zusammen: die eGFR für die Filtrationsleistung und der Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin für die Barriere. Eine normale eGFR beweist keine gesunde Niere.
Postrenal nie vergessen
Bei einem Kreatininanstieg auf Station gehört die Sonographie von Nieren und Blase früh dazu. Ein Harnstau ist häufig, gut erkennbar und behandelbar. In Fallfragen ist die Restharnbestimmung oder der Blasenkatheter bei einem älteren Mann mit Prostatavergrößerung oft die richtige erste Maßnahme.
Häufig gestellte Fragen
1. Was ist der effektive Filtrationsdruck?
Die Differenz aus dem hydrostatischen Druck in den Glomerulumkapillaren und den Gegenkräften, also dem Druck in der Bowman-Kapsel und dem kolloidosmotischen Druck des Plasmas. Er nimmt entlang der Kapillare ab, weil die Plasmaonkotik durch die Filtration ansteigt.
2. Was beschreibt der Filtrationskoeffizient Kf?
Kf fasst die Filtrationsfläche und die hydraulische Durchlässigkeit der Barriere zusammen. Er sinkt, wenn funktionierende Glomeruli verloren gehen oder die Barriere vernarbt, und senkt damit die GFR auch bei normalem Filtrationsdruck.
3. Warum sinkt die GFR bei einem Harnstau?
Der Rückstau erhöht den hydrostatischen Druck in der Bowman-Kapsel. Dieser Gegendruck verringert den effektiven Filtrationsdruck, und die GFR nimmt ab.
4. Kann eine Niere mit normaler eGFR krank sein?
Ja. Eine geschädigte Filtrationsbarriere kann Albumin durchlassen, während die Filtrationsrate noch normal ist. Deshalb wird neben der eGFR die Albuminurie bestimmt.
5. Warum hängt die GFR vom renalen Plasmafluss ab?
Bei hohem Plasmafluss steigt der onkotische Druck entlang der Kapillare langsamer an. Der effektive Filtrationsdruck bleibt auf einer längeren Strecke positiv, und es wird mehr filtriert.
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