Pleuraspalt und Pneumothorax: transpulmonaler Druck und was die Lunge zusammenfallen lässt
Kurz gesagt: Lunge und Thoraxwand ziehen in entgegengesetzte Richtungen: die Lunge nach innen, die Thoraxwand nach außen. Der flüssigkeitsgefüllte Pleuraspalt koppelt beide, dadurch ist der Pleuradruck in Ruhe negativ. Der transpulmonale Druck, also Alveolardruck minus Pleuradruck, hält die Lunge gedehnt. Dringt Luft in den Pleuraspalt, geht die Kopplung verloren und die Lunge fällt entsprechend ihrer Rückstellkräfte zusammen.
Physikum und Notfall
Module 02 und 03
Kopplung ist alles
Lernheft Atmung & Lungenfunktion18 Module von der Atemmechanik bis zur Dyspnoe, mit Fallfragen und Selbsttest. Zum passenden Material
Der Pneumothorax ist ein Thema, bei dem Vorklinik und Klinik direkt aufeinandertreffen. Im Physikum wirst du nach Druckverhältnissen gefragt, im Notfall und in der Chirurgie nach Erkennung und Erstmaßnahmen. Wer die Mechanik verstanden hat, muss die Klinik nicht auswendig lernen, sondern kann sie ableiten.
Warum ist der Pleuradruck negativ?
Die Lunge besitzt elastische Fasern und eine Oberflächenspannung in den Alveolen. Beide ziehen sie nach innen. Die Thoraxwand strebt in Atemruhelage dagegen nach außen. Zwischen den beiden Pleurablättern liegt nur ein dünner Flüssigkeitsfilm, der sie aneinander haften lässt wie zwei feuchte Glasplatten. Weil beide Seiten in entgegengesetzte Richtungen ziehen, entsteht im Spalt ein Unterdruck gegenüber der Atmosphäre.
Thoraxwand: zieht nach außen
Lunge: zieht nach innen
Pleuraspalt: koppelt beide mechanisch
Transpulmonaler Druck: Alveolardruck minus Pleuradruck, der Dehnungsdruck der Lunge
Was passiert bei Ein- und Ausatmung?
Bei der Inspiration kontrahiert das Zwerchfell, das Thoraxvolumen steigt. Der Pleuradruck wird stärker negativ, der transpulmonale Druck steigt, und die Lunge dehnt sich mit. Dadurch sinkt der Alveolardruck unter den Umgebungsdruck und Luft strömt ein. Bei ruhiger Exspiration entspannt sich die Muskulatur, die Rückstellkräfte der Lunge überwiegen, der Alveolardruck steigt leicht über den Umgebungsdruck und Luft strömt aus. Die Luft wird also nicht von einem aktiven Alveolenmotor angesaugt, sondern folgt dem Druckgradienten.
Phase
Pleuradruck
Alveolardruck
Luftstrom
Atemruhelage
negativ
gleich Umgebung
kein Fluss
Inspiration
stärker negativ
unter Umgebung
Luft strömt ein
Ruhige Exspiration
weniger negativ
über Umgebung
Luft strömt aus
Pneumothorax
nähert sich Umgebung an
kein Dehnungsdruck mehr
betroffene Lunge kollabiert
Was passiert beim Pneumothorax?
Gelangt Luft in den Pleuraspalt, etwa durch eine geplatzte subpleurale Blase oder eine Verletzung, gleicht sich der Druck im Spalt dem Umgebungsdruck an. Der transpulmonale Druck fällt weg. Die Lunge folgt ihren Rückstellkräften und fällt zusammen, die Thoraxwand federt leicht nach außen. Auf der betroffenen Seite sind Atemgeräusche abgeschwächt und der Klopfschall hypersonor.
Beim Spannungspneumothorax wirkt die Verletzung wie ein Ventil: Bei jeder Einatmung gelangt Luft in den Pleuraspalt, entweicht aber nicht. Der Druck steigt über den Umgebungsdruck, das Mediastinum wird zur Gegenseite verdrängt, der venöse Rückstrom zum Herzen sinkt. Das ist eine klinische Notfallsituation mit Kreislaufgefährdung und erfordert sofortige Entlastung durch ein erfahrenes Team.
Notfall
Ein Spannungspneumothorax wird klinisch erkannt und sofort entlastet. In Fallfragen ist die Antwort, die zuerst eine aufwendige Bildgebung abwarten will, bei instabilen Patienten meist falsch.
Was bringt dir das in Famulatur und PJ?
Auf Station begegnest du Pleuraderänen nach Thoraxoperationen, Patienten mit Pleuraerguss oder einem Spontanpneumothorax bei jungen, schlanken Menschen. Wenn du die Mechanik kennst, verstehst du, warum eine Drainage mit Sog oder Wasserschloss arbeitet, warum die Lunge sich nach Entlastung wieder entfaltet und warum ein großer Pleuraerguss die Lunge ebenfalls einengen kann. Wie ein eingeschränktes Lungenvolumen in der Lungenfunktion aussieht, zeigt die Seite zu Lungenvolumina und Kapazitäten.
Lernheft 05
Atmung & Lungenfunktion
64 Seiten mit 18 Modulen, in denen du Druckverhältnisse skizzierst und an Fällen anwendest.
Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum IMPP oder zu den Landesprüfungsämtern. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft (Stand: November 2026), aber ohne Gewähr. Sie dienen dem Lernen und ersetzen keine ärztliche Befundung. Verbindlich sind die Veröffentlichungen des IMPP, die Approbationsordnung und die Auskünfte deiner Fakultät.