Herzzyklus und Klappenstellung: wann welche Klappe offen ist und warum das für Klappenfehler zählt
Kurz gesagt: Der Herzzyklus hat vier Phasen: Füllung, isovolumetrische Anspannung, Auswurf und isovolumetrische Entspannung. In der Füllung sind die AV-Klappen offen, im Auswurf die Taschenklappen. In den beiden isovolumetrischen Phasen sind alle Klappen geschlossen. Klappen öffnen und schließen passiv nach den Druckdifferenzen. Wer diese Abfolge sicher kann, leitet jeden Klappenfehler und jedes Geräusch daraus ab.
Vier Phasen
Klappen passiv
Physikum-Pflicht
Lernheft Herzinsuffizienz & HerzklappenMit dem Grundlagenmodul Herzzyklus und der Druck-Volumen-Schleife zum Beschriften. Zum passenden Material
Im Physikum gehört der Herzzyklus zu den sicheren Fragen. In der Klinik ist er das Werkzeug, mit dem du Herzgeräusche einordnest und Klappenfehler verstehst. Trotzdem wird er oft als Kurvenbild auswendig gelernt. Diese Seite geht die Phasen der Reihe nach durch und zeigt, was in jeder Phase mit Klappen, Druck und Volumen passiert.
Welche Phasen hat der Herzzyklus?
Die Systole besteht aus der isovolumetrischen Anspannung und der Austreibung, die Diastole aus der isovolumetrischen Entspannung und der Füllung. Beginnen wir am Ende der Füllung. Der Ventrikel ist maximal gefüllt, das ist das enddiastolische Volumen. Er beginnt sich zu kontrahieren, der Druck steigt über den Vorhofdruck, und die AV-Klappen schließen. Das erzeugt den 1. Herzton.
Jetzt sind alle Klappen geschlossen. Der Ventrikel baut Druck auf, ohne dass sich sein Volumen ändert: isovolumetrische Anspannung. Übersteigt der Ventrikeldruck den Druck in Aorta beziehungsweise Pulmonalarterie, öffnen die Taschenklappen, und der Auswurf beginnt. Das Volumen sinkt. Fällt der Ventrikeldruck am Ende des Auswurfs unter den Arteriendruck, schließen die Taschenklappen. Das erzeugt den 2. Herzton.
Wieder sind alle Klappen geschlossen, der Druck fällt bei gleichem Volumen: isovolumetrische Entspannung. Unterschreitet der Ventrikeldruck den Vorhofdruck, öffnen die AV-Klappen, und die Füllung beginnt. Am Ende der Füllung trägt die Vorhofkontraktion noch einen Teil zum Volumen bei.
Phase
Klappenstellung
Druck und Volumen im Ventrikel
Merkpunkt
Isovolumetrische Anspannung
Alle geschlossen
Druck steigt steil, Volumen konstant
Beginnt mit dem 1. Herzton
Austreibung
Taschenklappen offen, AV-Klappen zu
Volumen sinkt, Druck erst steigend, dann fallend
Endet mit dem 2. Herzton
Isovolumetrische Entspannung
Alle geschlossen
Druck fällt steil, Volumen konstant
Endsystolisches Volumen bleibt
Füllung
AV-Klappen offen, Taschenklappen zu
Volumen steigt bei niedrigem Druck
Vorhofkontraktion am Ende
Warum öffnen und schließen Klappen nur passiv?
Klappen haben keinen eigenen Öffnungsmotor. Sie folgen den Druckdifferenzen zwischen den Räumen davor und dahinter. Eine Klappe öffnet, wenn der Druck vor ihr höher ist als hinter ihr, und schließt, wenn sich das umkehrt. Papillarmuskeln und Sehnenfäden verhindern nur, dass die AV-Segel in der Systole in den Vorhof durchschlagen. Diese passive Logik erklärt, warum Klappenfehler sich immer in einer bestimmten Phase zeigen.
Wie hängen elektrische und mechanische Ereignisse zusammen?
Elektrische und mechanische Ereignisse sind zeitlich gekoppelt, aber nicht identisch. Die Erregung geht der Kontraktion voraus. Der QRS-Komplex im EKG liegt kurz vor dem Beginn der Anspannung, die T-Welle fällt ungefähr in die Zeit des späten Auswurfs. Die P-Welle geht der Vorhofkontraktion voraus. Wer die Abfolge kennt, kann EKG, Herztöne und Druckkurven nebeneinanderlegen.
Was folgt daraus für Klappenfehler?
Eine Stenose stört die Phase, in der ihre Klappe offen sein sollte. Eine Insuffizienz stört die Phase, in der ihre Klappe geschlossen sein sollte. Daraus ergeben sich die Geräuschphasen direkt:
Merkregel: Taschenklappe offen in der Systole, AV-Klappe offen in der Diastole
Prüfweg: Phase bestimmen, Klappe zuordnen, dann Stenose oder Insuffizienz ableiten
In der Druck-Volumen-Schleife bilden die vier Phasen die vier Seiten: rechts senkrecht die isovolumetrische Anspannung, oben der Auswurf, links senkrecht die Entspannung, unten die Füllung. Die Umlaufrichtung ist in der üblichen Darstellung gegen den Uhrzeigersinn.
Lernheft 21
Herzinsuffizienz & Herzklappen
64 Seiten mit 18 Modulen, die vom Herzzyklus zu den Klappenfehlern führen.
Herzzyklus mit Klappenstellung und Beschriftungsübung
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